Vertreterversammlung 2015

Vorstand will mehr Genossenschaftsbanken für Europa

Volksbank Rhein-Wupper informiert bei der Vertreterversammlung über das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014.

Alexander Litz

Leverkusen. „Mittelständische Unternehmen sollten ihre Finanzierung durch eine mittelständisch aufgestellte, regionale Bank regeln können. Für dieses erfolgreiche deutsche Modell müssen wir europaweit eintreten“, forderte Vorstand Alexander Litz  am Mittwoch, 24. Juni, während der Vertreterversammlung der Volksbank Rhein-Wupper. Zuvor hatte Aufsichtsratsvorsitzender Heribert Gierlichs die gewählten Vertreter der jetzt deutlich über 12.000 Mitglieder in der Aula des Landrat-Lucas-Gymnasiums in Opladen begrüßt. 

Beim anschließenden Vorstandsbericht ging es nicht allein um die Präsentation der hervorragenden Ergebnisse aus dem zurückliegenden Geschäftsjahr. Berichterstatter Alexander Litz ärgert sich ebenso wie sein Kollege Hans-Jörg Schaefer über die fortschreitende Benachteiligung regionaler Genossenschaftsbanken. 

„Die EU-Kommission hat ganz richtig die schlechte Finanzierungssituation des Mittelstands in vielen europäischen Ländern erkannt. Aber statt das erfolgreiche deutsche drei-Säulen Modell mit dem gesunden Mix aus Genossenschaftsbanken, Sparkassen und Großbanken europaweit zu forcieren, soll sich Europas Mittelstand künftig nicht mehr über Bankkredite, sondern über Aktien, Anleihen, Schuldscheine oder Kreditverbriefungen finanzieren.

„Es kann doch nicht sein, dass der metallverarbeitende Betrieb aus unserem Gewerbegebiet Fixheide oder die Schreinerei mit ihren zehn Mitarbeitern künftig an die Börse müssen, um Kapital für Investitionen zu bekommen“, kritisierte Litz das Modell von EU-Finanzkommissar Jonathan Hill. In dessen Heimat England und auch in Amerika, wo diese Art von Kapitalmarktfinanzierung praktiziert werde, habe der Mittelstand doch die größten Probleme. „Deshalb lautet unsere Forderung: Mehr Genossenschaftsbanken für Europa“, betonte Alexander Litz.

Bei der Erläuterung der Geschäftszahlen verwies Vorstand Litz auf die regulatorischen Belastungen und den Konkurrenzdruck. 2014 sei kein leichtes Jahr für die Finanzbranche gewesen. „Dank der gesunden und wirtschaftlich soliden Ausgangsituation hat sich die Volksbank Rhein-Wupper in diesem schwierigen Umfeld sehr gut behaupten können“, freute sich der Finanzexperte.

Das zeigt ein Blick auf die Bilanzsumme, die von 534 Millionen im Jahr 2013 auf jetzt 571 Millionen Euro gestiegen ist. „Noch interessanter ist für uns das Kundengesamtvolumen in Höhe von 1,26 Milliarden Euro; ein beeindruckendes Plus von fünf Prozent“, so Litz. Diese Kennzahl stelle die Gesamtheit aller Einlagen und Kredite inklusive der betreuten Produkte von Verbundpartnern wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall, dem Versicherer R + V oder der Fondsgesellschaft Union Investment dar.

Das Kreditgeschäft lenkt den Blick automatisch auf den politisch gewollten Niedrigzins. Davon profitieren natürlich die Kreditnehmer. Vor diesem Hintergrund sind die Kundenkredite bei der Volksbank Rhein-Wupper überproportional mit sieben Prozent auf jetzt 487 Millionen Euro gewachsen.

Mit den Sparern, die kaum noch eine auskömmliche Rendite erzielen, und den Banken, denen die Zinsspanne als wichtigste Ertragssäule dahin schmilzt, gibt es aber auch zwei klare Niedrigzins-Verlierer. Dieser Entwicklung zum Trotz ist von der bundesweit auf ein Zehn-Jahrestief gesunkenen Sparquote bei der Volksbank Rhein-Wupper rein gar nichts zu spüren. Im Gegenteil: Auch beim Einlagengeschäft hat die Volksbank gegenüber dem Vorjahr ordentlich um 6,9 Prozent zugelegt. Hier zahlten sich das große Vertrauen und die hohe Beratungsqualität der engagierten und gut geschulten Beschäftigten aus. So wurde die Volksbank Rhein-Wupper erneut zum sicheren Hafen für das Vermögen der Menschen aus der Region.

Die Vorstände Alexander Litz und Hans-Jörg Schaefer zeigten sich angesichts der positiven Entwicklung mit der Ertragslage sehr zufrieden. Trotz des Drucks auf die Zinsspanne ist es gelungen, auf der Einnahmeseite das Zins- und Provisionsergebnis noch einmal leicht auf jetzt fast 17 Millionen Euro zu verbessern. Vom Jahresüberschuss in Höhe von rund 1,6 Million Euro fließen 1,2 Millionen Euro in die Rücklagen. „Die Rücklagenzuführung ist wichtig, damit die Eigenkapitalausstattung mit der gestiegenen Bilanzsumme Schritt hält“, so die Begründung. „Wir werden die aktuell guten Zahlen dazu nutzen, unsere Bank nachhaltig am Markt gut zu positionieren“, richtete Alexander Litz den Blick optimistisch nach vorn.

Heribert Gierlichs

Vom guten Geschäftsjahr 2014 profitieren natürlich auch die Mitglieder. Sie dürfen sich über eine 5-prozentige Dividende auf ihre Geschäftsanteile freuen. Aus den genossenschaftlichen Werten wie Verantwortung, Solidarität und Nähe leitet die Volksbank Rhein-Wupper ihre gesellschaftliche Verantwortung für die Region ab. Mit fast 100.000 Euro wurden im letzten Jahr Initiativen und Projekt im gesamten Geschäftsgebiet finanziell unterstützt. „Wir sind zum nachhaltigen Partner der Vereine und Schulen in Leverkusen, Langenfeld und Leichlingen geworden“, so Litz.

Verantwortung übernimmt die Bank auch als zuverlässiger Arbeitgeber und engagierter Ausbildungsbegleiter von 119 Voll- und Teilzeitkräften. „Anders als Internet- oder Großbanken zahlen wir unsere Steuern vor Ort“, unterstrich der Vorstand. Ein beträchtlicher Teil der 2014 abgeführten 1,4 Mio. Euro floss dabei als Gewerbesteuer direkt an die Kommunen im Geschäftsgebiet.

Angesichts der grundsoliden Geschäftsführung war die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat durch die Vertreter eine reine Formsache. Mit der anschließenden Wiederwahl der Aufsichtsräte Annegret Bruchhausen-Scholich und Guido Bäumerich und der Verleihung der silbernen Ehrennadel des Rheinisch Westfälischen Genossenschaftsverband an den Aufsichtsratsvorsitzenden Heribert Gierlichs als Anerkennung für seine nun 25 jährige Mitgliedschaft im Aufsichtsratsgremium der Volksbank endete die harmonisch verlaufende Mitgliederversammlung.